Macht dich deine Wohnung krank?

Was Unordnung, Stress und Cortisol wirklich miteinander zu tun haben

Eine Kundin sagte einmal zu mir:

„Ich möchte heimkommen und die Welt hinter mir lassen. Aber zuhause fühlt es sich gar nicht nach Pause oder Entspannung an. Am liebsten würde ich gleich wieder fliehen.“

Und dieses Gefühl haben mir mittlerweile mehrere Menschen beschrieben. Mit ähnlichen oder ganz anderen Worten.

Aber was heißt das konkret? Und warum ist das relevant? Wahrscheinlich fällt die Vorstellung gar nicht so schwer.

Du hattest einen langen Tag. Gefühlt 100 Stationen zwischen Arbeit, Einkäufen, Erledigungen und Verkehrsmitteln. Unterwegs noch Nachrichten beantwortet und im Kopf schon die nächste Aufgabe vorbereitet. Vielleicht hattest du zwei ruhige Minuten für dich. Am Klo. Oder bei einer roten Ampel.

Dann stehst du endlich vor deiner Wohnungstür. Schlüssel in der Hand, Tasche über der Schulter, vielleicht noch ein Einkaufssackerl dabei.

Eigentlich möchtest du nur eines: ankommen.

Schuhe neben einer Willkommen-Fußmatte vor der Wohnungstür. Symbolbild für das Nachhausekommen und den Wunsch nach Ruhe und Erholung.

Aber kaum geht die Tür auf, beginnt der Blick schon wieder zu arbeiten. Die Schuhe im Vorraum. Die Tasche, für die gerade kein Platz ist. Auf dem Esstisch liegt noch der Vormittag herum. In der Küche wartet das Geschirr und irgendwo dazwischen steht etwas, um das du dich auch noch kümmern wolltest.

Wieder Dinge, die deine Aufmerksamkeit wollen. Wieder kleine Entscheidungen.

Umso wichtiger ist es, dass wir einen Ort haben, an dem wir tatsächlich zur Ruhe kommen können. Nicht nur zweimal im Jahr im Urlaub. Und nicht nur während sechs flüchtiger Stunden Schlaf.

Sondern möglichst jeden Tag.

Aber kann eine unordentliche Wohnung tatsächlich Stress verursachen?

In diesem Zusammenhang wird eine Studie besonders häufig zitiert: „No Place Like Home: Home Tours Correlate With Daily Patterns of Mood and Cortisol“

Sie wird gerne als Beleg dafür verwendet, dass Unordnung zuhause zu einem erhöhten Cortisolspiegel führt.
So einfach ist es allerdings nicht.

Und genau deshalb habe ich mir die Studie genauer angeschaut.

Zuerst: Was ist Cortisol eigentlich?

Cortisol wird häufig als Stresshormon bezeichnet. Dabei ist es für unseren Körper lebenswichtig und erfüllt weit mehr Aufgaben, als uns auf Stress reagieren zu lassen.

Man kann es sich wie einen inneren Taktgeber vorstellen, der unseren Tagesrhythmus mitbestimmt. Cortisol hilft uns, Energie bereitzustellen, beeinflusst unser Immunsystem und unseren Blutdruck und spielt auch für unsere Konzentration und Stimmung eine Rolle.

Eine Frau hält sich morgens nach dem Aufwachen eine Teetasse an die Stirn. Das Bild vermittelt Müdigkeit und den Wunsch nach einem ruhigen Start in den Tag.

Dabei verändert sich der Cortisolspiegel ganz natürlich im Laufe des Tages. Typischerweise steigt er rund um das Aufwachen an und sinkt anschließend bis zum Abend wieder ab. Entscheidend ist also nicht, möglichst wenig Cortisol im Körper zu haben, sondern dass die Regulation funktioniert und der Spiegel seinem natürlichen Tagesrhythmus folgen kann.

Die Forschenden untersuchten, wie sich der Cortisolspiegel im Laufe des Tages verändert. Normalerweise sinkt er vom Morgen bis zum Abend. Ein flacherer Verlauf kann mit länger anhaltender Belastung zusammenhängen.

Und jetzt kommt das Spannende:

Die Forschenden haben gar nicht gemessen, wie unordentlich die Wohnungen tatsächlich waren. Es kam niemand mit einer Checkliste vorbei und zählte herumliegende Socken oder Teller im Waschbecken.

Stattdessen untersuchten sie, wie die Frauen ihr eigenes Zuhause beschrieben.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang: Frauen, die ihr Zuhause häufiger als belastend beschrieben, wiesen auch einen flacheren Cortisolverlauf auf. Bei Frauen, die ihr Zuhause eher als erholsam beschrieben, zeigte sich ein günstigeres Muster.

Entscheidend war in dieser Untersuchung also die persönliche Wahrnehmung des Zuhauses, nicht eine objektiv gemessene Menge an Unordnung.

Allerdings zeigt die Studie nur einen Zusammenhang. Sie kann nicht beantworten, was Ursache und was Wirkung ist.

Vielleicht erschwert eine als belastend empfundene Wohnung tatsächlich die Erholung. Vielleicht nehmen wir unser Zuhause aber auch negativer wahr, wenn wir ohnehin gestresst und erschöpft sind.

Dass Unordnung den Cortisolspiegel erhöht und krank macht, lässt sich daraus nicht ableiten.

Aber sie wirft eine andere, für mich mindestens genauso interessante Frage auf:

Wie erlebst du dein eigenes Zuhause?

Denn jeder Mensch hat einen anderen Punkt, an dem sich eine Umgebung voll, unruhig oder belastend anfühlt.

Während ich mich vielleicht mit vollen Oberflächen und einem kleinen Hindernislauf am Boden noch wunderbar wohlfühle, fühlt sich die nächste Person schon gestresst, weil drei Teller im Waschbecken darauf warten, gewaschen zu werden.

Deshalb gibt es für mich auch keine objektive Definition davon, wie eine „ordentliche“ Wohnung aussehen muss. Eine freie Fläche kann für einen Menschen Ruhe bedeuten und für einen anderen Kahlheit. Viele sichtbare Dinge können jemanden überfordern und einem anderen Geborgenheit, Inspiration oder Freude geben.

Vielleicht ist also gar nicht die spannendste Frage:

Ist meine Wohnung ordentlich genug?
Sondern:
Wie fühlt sie sich für mich an?

Und noch wichtiger: Funktioniert sie auch dann für mich, wenn ich müde bin, wenig Energie habe und gerade nicht alles rund läuft?

Denn genau an diesen Tagen brauchen wir unser Zuhause besonders. Nicht als weitere Aufgabe auf unserer Liste, sondern als einen Ort, an dem wir wieder ein bisschen zu Kräften kommen können.

Eine kleine Übung

Wenn du möchtest, nimm dir kurz einen Moment und beschreibe dein Zuhause mit fünf Wörtern. Welche kommen dir spontan in den Sinn? Vielleicht: ruhig, voll, gemütlich, unfertig, lebendig, chaotisch, sicher, eng, warm, anstrengend, leicht, überfordernd …

Versuche dabei nicht, die „richtigen“ Wörter zu finden. Es geht auch nicht darum, wie jemand anderes deine Wohnung beschreiben würde.

Hand schreibt in ein Notizbuch, um die eigene Wohnsituation und das Wohlbefinden zu Hause zu reflektieren.

Wie beschreibst du sie?

Vielleicht verraten diese fünf Wörter mehr darüber, wo du gerade ansetzen könntest, als die Frage, ob drei Teller im Waschbecken stehen dürfen.

Und wenn du dabei merkst, dass dein Zuhause dir momentan mehr Energie nimmt, als es dir zurückgibt, muss die Lösung nicht darin bestehen, plötzlich minimalistischer zu leben oder die ganze Wohnung auszumisten.

Hast du auch das Gefühl, dass dich dein Zuhause zunehmend belastet und deine Gesundheit darunter leidet?

Wenn du herausfinden möchtest, was sich verändern könnte, lass uns darüber sprechen. In einem kostenlosen Online-Klarheitsgespräch schauen wir gemeinsam, wo du ansetzen kannst, damit dein Zuhause dich im Alltag wieder besser unterstützt.
In meiner Wohnraumberatung schauen wir zuerst darauf, was dich persönlich belastet, wie du tatsächlich lebst und was du brauchst, damit dein Zuhause dich im Alltag besser unterstützt.

Daraus können ganz unterschiedliche Veränderungen entstehen: Dinge loslassen, Abläufe vereinfachen, Funktionen neu verteilen, Möbel anders stellen, Stauraum verändern oder manchmal auch einfach einen Bereich schaffen, an dem das Auge wieder zur Ruhe kommen kann.

Nicht damit deine Wohnung irgendeiner Vorstellung von Ordnung entspricht. Sondern damit sie wieder besser zu dir und deinem Leben passt.